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Bund deutscher Veteranen

Der im August 2010 von einem Oberstleutnant als gemeinnütziger Verein ins Leben gerufene Bund deutscher Veteranen (BDV) ist mit seiner Gründung Ausdruck der fortschreitenden Veralltäglichung deutscher Kriegspolitik. Der Bund wurde von und für eine neue Generation von VeteranInnen, für die KriegsteilnehmerInnen der letzten zwei Jahrzehnte ins Leben gerufen. Ähnlich wie der Begriff der Gefallenen, der vor wenigen Jahren wieder in den aktuellen Wortschatz für tote Bundeswehrsoldaten eingeführt wurde — offizielle Erwähnung u.a. vom Kriegsminister Jung 2008 anlässlich toter BW-Soldaten — zeugt auch der Begriff des Veteranen von einer wieder Realität gewordenen Gesellschaft im Krieg. Das öffentliche und medienwirksam inszenierte Auftreten der „heimkehrenden“ SoldatInnen drückt Selbstvertrauen aus und betont ihren Anspruch, für den von ihnen erledigten „Job“ Anerkennung von der Gesellschaft zu erhalten. Der ihnen von staatlichen AkteurInnen, insbesondere vom Kriegsministerium entgegen gebrachte lobende Zuspruch verdeutlicht die von der Politik erkannte Notwendigkeit, die Kriegs- und Opferbereitschaft in der Gesellschaft aufrecht zu erhalten und neu zu beleben. So hatte das Kriegsministerium im April 2012 ein Diskussionspapier zum Begriff des Veteranen und zur Idee einer Veteranenpolitik herausgebracht („Eine Veteranenpolitik für die Bundeswehr“). Der Begriff des Veteranen soll vom Bild des Weltkriegsteilnehmers entstaubt und mit der Veteranenpolitik, einschließlich der Einführung eines Tags der VeteranInnen eine gesellschaftliche Würdigung der Dienstleistung der SoldatInnen, die diese angeblich im Interesse des Gemeinwohls erbringen, symbolisiert werden. Denn nur bei einer ausreichenden Würdigung „können wir von unseren Soldaten verlangen, dass sie im äußersten Fall auch bereit sind, ihr Leben für unseren Schutz und unsere Sicherheit einzusetzen.“

Laut BDV gibt es ca. 300.000 neue VeteranInnen. Bei dieser Zählung definiert der BDV jede/n auslandseinsatzerfahrene/n SoldatIn als VeteranIn. In seiner Selbstbeschreibung wirbt der Verband für Dialog zwischen alten und jungen VeteranInnen, sowie zwischen VeteranInnen, Bundeswehr, Politik und Gesellschaft. Der Bund wirbt mit den Eckpfeilern der Fürsorge und Kameradschaft und der Hilfe füreinander. Vor diesem Hintergrund und im Hinblick auf die auf der Internetseite präsentierten Berichte und Literaturhinweise von geschädigten und traumatisierten SoldatInnen mit Titeln wie „Vertuschung und Problem beim Umgang der Bundeswehr mit ehemaligen Einsatzsoldaten“, kann der Verband als eine Art Selbsthilfegruppe verstanden werden. Doch trotz der Klagen über die offensichtlich negativen Umstände und Auswirkungen für die in den Kriegen eingesetzten BundeswehrsoldatInnen die tödlichen und zerstörerischen Folgen der Bevölkerung in den jeweiligen Kriegsregionen bleiben hinter dem ideologischen Schleier der jeweiligen Einsatzformel im Verborgenen kommt der Verband nicht zu der naheliegenden Schlussfolgerung, für ein Ende der Kriegseinsätze einzutreten! Die Identifikation mit der Ideologie von der Verteidigung des Vaterlandes und der patriotischen Pflicht überlagert andere, denkbare Handlungsmotivationen. Denn wie selten ist es in der auf Konkurrenz und Leistung abzielenden kapitalistischen Gesellschaft anzutreffen, dass Menschen so eine große Opferbereitschaft für eine Gemeinschaft zeigen, dass Menschen gesellschaftliche Verantwortung praktizieren? Wie stark muss gelogen und ideologisch verbogen werden, dass SoldatInnen bereit sind, ihr Leben für (politische, ökonomische) Interessen zu lassen?

Ein Verband für VeteranInnen, mit entsprechenden Unterstützungsleistungen für die SoldatInnen und ihre Familien und der positiven Bezugnahme auf die aktuelle Kriegspolitik soll verhindern, dass sich zurückkehrende Einsatzsoldaten angesichts der erlebten und erlittenen Erfahrungen gegen eine Fortsetzung der Kriege aussprechen oder gar bei den nachwachsenden Generationen für eine Kriegsdienstverweigerung werben.

Im Februar 2012 warb Kriegsminister de Maiziere für die Einführung eines Veteranentags und schlug den Volkstrauertag als möglichen Gedenktag vor. Doch nach einigen Proteststimmen aufgrund des doch zu negativen Bezugs, ist nun der 31. Mai 2014 als erster Veteranentag vorgesehen. Der BDV nimmt die Einführung dieses Tages als Großprojekt in Angriff und will dafür mit einem Video in der Gesellschaft werben. De Maiziere äußerte 2012, die Einführung dieses Gedenktages sei ein Zeichen von Ehrlichkeit der Bevölkerung gegenüber, weil er dieser verdeutliche, dass „Freiheit und Wohlstand nicht kostenlos sind, sondern stets aufs Neue gesichert werden müssen“. In die Diskussion um Kriege müsse neben der Verwendung von Begriffen wie „Gefallene“ und „Veteranen“ wieder offener mit nationalen (Rohstoff- und) Standortinteressen argumentiert werden (während im Umkehrschluss moralische Implikationen wie Menschenrechte und Demokratieaufbau demnach in den Hintergrund zu treten hätten).

Der BDV sitzt in Berlin in der Bundesallee 220. Im Rahmen des Tags der offenen Tür der Ministerien ist der Veteranenverband u.a. im Kriegsministerium präsent. Es besteht eine enge Zusammenarbeit mit dem Deutschen Bundeswehrverband (DBwV), ein 1956 von dem NS-Militär Molinari gegründeter Interessenverband ehemaliger und aktiver Bundeswehrsoldaten.